
Petra Wallner
Diplomkrankenpflegerin, LKH Hochsteiermark Standort Leoben
Wo Leben beginnt wächst die größte Liebe!
Als Diplomkrankenpflegerin im geburtshilflichen Bereich darf ich tagtäglich frischgebackene Eltern bzw. werdende Eltern begleiten. Meist ist es bewegend zu erleben, mit wieviel Liebe Eltern ihr Kind erwarten und wie wichtig es ist, ihnen in dieser besonderen Zeit Halt und Unterstützung zu geben.
Nicht alle Eltern können sich unbeschwert auf ihr Kind freuen. Manche stehen vor großen Herausforderungen oder befinden sich in einer schwierigen Lebenssituation.
Ich unterstütze #fairändern, weil ich weiß, dass Schwangere in Krisensituationen vor allem eines brauchen:
Menschen, die ihnen zuhören, sie beraten, sie ermutigen und an ihrer Seite stehen. Ein Wort des Mutes, Mitgefühl und unterschiedlichste Hilfestellungen können den entscheidenden Unterschied machen und neue Hoffnung schenken!
















Perfektionismus & Idealismus
„Warum passiert das immer mir?“ fragte sich kürzlich ein verzweifelter junger Mann. So gerne würde er eine Familie gründen und eigene Kinder haben. Doch seine frühere Partnerin trieb das gemeinsame Kind ab. Jetzt ist seine derzeitige Freundin von ihm schwanger. Aber – auch sie will kein Baby, obwohl er es sich doch so sehr wünscht.
In einem langen Beratungsgespräch sprach sie immer wieder davon, alles „perfekt“ machen zu wollen, so wie auch bei ihren Eltern alles „perfekt“ abgelaufen sei: Erst das Studium beenden, danach eine Familie gründen – so sei es „richtig“.
Außerdem ekle sie sich vor ihrem Körper und vor der Schwangerschaft. Sie war sehr schlank und wollte auf keinen Fall „fett“ werden. Vieles in den Aussagen der Studentin sprach von einem unheilvollen Perfektionismus, dem Streben nach Vollkommenheit. Und das bestand offenbar in gutem Aussehen, Karriere und finanziellem Wohlstand.
Opfer zugunsten des Idealismus
Die Gefühle ihres Freundes, sein Wunsch, das Baby zu behalten, wurden in ihre Überlegungen gar nicht erst einbezogen – obwohl ihr in der Beratung Mut gemacht wurde, das Kind auszutragen und dann ihm zu überlassen. So hätte sie doch ihr Studium, die Reisen, das Leben, das sie sich so „perfekt“ ausmalte, weiterleben können.
Sie hätte ihrem Freund Freude und Hoffnung geschenkt und das, was er sich wohl am Allermeisten wünschte: (s)ein Kind. Das wäre für ihn „perfekt“ gewesen… Leider entschied sie sich trotz allem dazu, die Abtreibung durchführen zu lassen und fügte dem jungen Mann dadurch eine weitere Verlusterfahrung zu.
Alle drei wurden Opfer eines kalten, sterilen Perfektionismus und Idealismus, die uns als erstrebenswert eingeredet werden – doch unerreichbar bleiben. Für die Schönheit des ungeplanten Lebens, ein Leben voller Überraschungen, ist in der Gesellschaft kein Platz mehr. Jeder, der nicht nach den suggerierten Maßstäben und dem vorgefertigten Zeitplan funktioniert, zählt als Außenseiter, abnormal, rückwärtsgewandt und Looser.
Niemand muss unter dem Druck der zeitgeistigen Ideale abtreiben und sich und andere ins Unglück stürzen. Was ist noch normal und wer darf das überhaupt festlegen?
#fairändern fordert, dass Politik und Gesellschaft Raum schaffen für die Vielfalt der unplanmäßigen Lebensgestaltung. Tatsächlich soll es gerade der weiblichen Bevölkerung ermöglicht werden, sich frei und ohne „Normdruck“ dafür entscheiden zu können – ohne dabei ihre psychische und physische Gesundheit gefährden zu müssen.
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